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Östrogen und Gehirn: Ist Brain Fog in der Perimenopause real – und was hilft?

Why memory and focus can slip during the menopause transition, whether it lasts, and which treatments for brain fog, hot flushes and low mood have real evidence.

Illustration neuronaler Verbindungen im Gehirn als Darstellung, wie Östrogen Gedächtnis und Konzentration in den Wechseljahren beeinflusst.
Östrogen beeinflusst Hirnregionen für Gedächtnis, Stimmung und Körpertemperatur. Deshalb können die Wechseljahre alle drei betreffen.

Brain Fog in der Perimenopause ist real, aber meist vorübergehend. Wie Östrogen das Gehirn beeinflusst, was Hormontherapie kann und was sonst hilft.

Von · Architekt und Gestaltpsychologe, Gründer von ONDA Life

Aktualisiert am

[4 min 45 sec]

[ FALLAKTE: DER NEBLIGE ÜBERGANG ]

"Ein populärer Artikel behauptet, Östrogen sei das 'Schmiermittel' des Gehirns. Sinkt es, läuft das Gehirn mit niedrigerer 'Taktfrequenz' und beginnt abzubauen. Die Lösung: Soja, Leinsamen, hochdosiertes Fischöl, Kälte gegen Hitzewallungen und Magnesium.

Viele Frauen in ihren 40ern und 50ern bemerken tatsächlich, dass ihnen Wörter entfallen oder sie den Faden verlieren. Aber baut das Gehirn wirklich ab? Bleibt das so? Und warum erwähnt der Artikel nie die Behandlung, die am besten wirkt?"


Abschnitt 1: Wie wirkt Östrogen auf das Gehirn?

Östrogen – vor der Menopause vor allem Estradiol – wirkt auf viele Hirnregionen, darunter den Hippocampus (Gedächtnis), den präfrontalen Kortex (Planung und Aufmerksamkeit) und den Hypothalamus (Körpertemperatur und Schlaf).

Bei weiblichen Ratten steigt und fällt die Zahl der Verbindungen zwischen Nervenzellen im Hippocampus mit dem Estradiol im Zyklusverlauf (Woolley & McEwen 1992). Das ist ein Grund, warum Forschende annehmen, dass Östrogen das Gedächtnis unterstützt. Tierbefunde lassen sich aber nicht in einfache Regeln wie „mehr Östrogen, besseres Gehirn“ übersetzen.

Östrogen ist auch für Männer wichtig: Bei ihnen wird es aus Testosteron gebildet und schützt Knochen und Stoffwechsel.


Abschnitt 2: Ist Brain Fog in der Perimenopause real?

Ja – aber meist leicht und vorübergehend.

In der großen US-amerikanischen SWAN-Studie wurden Frauen über mehrere Jahre wiederholt getestet. Normalerweise schneidet man bei jeder Wiederholung eines Tests etwas besser ab. In der Perimenopause verschwand diese Verbesserung bei Gedächtnis und Verarbeitungsgeschwindigkeit; nach der Menopause kehrte sie zurück (Greendale 2009). Die meisten Frauen verloren also keine Fähigkeiten – sie verbesserten sich nur vorübergehend nicht mehr.

Hirnscans zeigen ein ähnliches Bild. Eine kleine Bildgebungsstudie fand Veränderungen der Hirnstruktur und des Energieverbrauchs während des Übergangs, mit teilweiser Erholung nach der Menopause (Mosconi 2021).

Schlechter Schlaf, Nachtschweiß und gedrückte Stimmung erschweren ebenfalls die Konzentration – ein Teil des Nebels kommt also von diesen Symptomen und nicht direkt vom Östrogen. Depressive Verstimmungen werden während des Übergangs wahrscheinlicher, auch bei Frauen ohne frühere Depression (Freeman 2006).


Abschnitt 3: Wie lange dauern Hitzewallungen und andere Symptome?

Oft länger als erwartet. In SWAN dauerten Hitzewallungen und Nachtschweiß im Median 7,4 Jahre, länger bei Frauen, deren Symptome früh in der Perimenopause begannen (Avis 2015).

Hitzewallungen entstehen im Temperaturregulationszentrum des Hypothalamus, das empfindlicher wird, wenn Östrogen sinkt.


Abschnitt 4: Hilft Hormontherapie gegen Brain Fog und Hitzewallungen?

Gegen Hitzewallungen ist die Hormontherapie (HT) die wirksamste Behandlung. Für das Gedächtnis ist sie keine belegte Lösung.

  • •Hitzewallungen und Nachtschweiß. Laut der North American Menopause Society ist HT die wirksamste Behandlung. Für die meisten gesunden Frauen unter 60 oder innerhalb von 10 Jahren nach der Menopause überwiegt der Nutzen meist die Risiken (NAMS 2022).
  • •Gedächtnis. In der KEEPS-Studie hat HT, kurz nach der Menopause begonnen, das Denkvermögen über vier Jahre weder verbessert noch verschlechtert (Gleason 2015). Besserer Schlaf und weniger Nachtschweiß können trotzdem dazu führen, dass man sich klarer fühlt.
  • •Demenz. HT sollte nicht zur Demenzvorbeugung eingesetzt werden (NAMS 2022). Bei Frauen, die ab 65 Jahren mit Östrogen plus Gestagen begannen, war das Demenzrisiko etwa doppelt so hoch (Shumaker 2003).
  • •Risiken. Kombinierte HT erhöht das Brustkrebsrisiko leicht, abhängig von Art und Anwendungsdauer (Collaborative Group 2019). Das Risiko für Blutgerinnsel und Schlaganfall hängt von der Darreichungsform und Ihrer Gesundheit ab. Das sind persönliche Entscheidungen, die Sie mit einer Ärztin oder einem Arzt treffen sollten.

Abschnitt 5: Welche hormonfreien Optionen gibt es?

Wenn Sie keine Hormone nehmen können oder wollen, gibt es mehrere gut belegte Optionen gegen Hitzewallungen (NAMS 2023):

  • •Kognitive Verhaltenstherapie (KVT) und klinische Hypnose – sie verringern, wie stark Hitzewallungen belasten, und verbessern den Schlaf.
  • •Bestimmte Antidepressiva (SSRI und SNRI) sowie Gabapentin.
  • •Fezolinetant, ein neueres Medikament, das direkt auf das Temperaturzentrum des Gehirns wirkt. In einer Phase-3-Studie verringerte es Anzahl und Schwere der Hitzewallungen im Vergleich zu Placebo (Lederman 2023). Es erfordert Leberwertkontrollen im Blut.

Abschnitt 6: Helfen Soja, Nahrungsergänzungsmittel, Kälte oder Atmung?

Meist nicht genug, um sich darauf zu verlassen.

  • •Soja-Isoflavone verringerten Hitzewallungen in einer Metaanalyse mäßig (Taku 2012), doch die Ergebnisse schwanken, und die NAMS empfiehlt sie nicht als Behandlung (NAMS 2023).
  • •Pflanzliche und andere Nahrungsergänzungsmittel, einschließlich hochdosiertem Fischöl, werden gegen Hitzewallungen nicht empfohlen (NAMS 2023). Manche haben Wechselwirkungen mit Medikamenten.
  • •Langsames, getaktetes Atmen und Kühltricks werden ebenfalls nicht als Behandlung von Hitzewallungen empfohlen (NAMS 2023). Ein Ventilator und ein kühles Schlafzimmer können die Nächte trotzdem angenehmer machen.
  • •Kraft- und Stoßbelastungstraining lohnt sich aus anderen Gründen. Östrogenverlust beschleunigt den Knochenabbau, und ein betreutes hochintensives Kraft- und Stoßbelastungsprogramm verbesserte die Knochendichte bei postmenopausalen Frauen mit geringer Knochenmasse (Watson 2017).

Mythen-Check:

  • •„Östrogenverlust lässt das Gehirn abbauen.“ – Bei den meisten Frauen sind Gedächtnisveränderungen gering und bessern sich nach der Menopause.
  • •„Kälte und Magnesium beseitigen Hitzewallungen.“ – Dafür gibt es keine guten Belege.
  • •„Fischöl schützt das Gehirn in den Wechseljahren.“ – Als Behandlung nicht belegt.
  • •„Hormontherapie ist immer gefährlich.“ – Die Risiken sind real, hängen aber von Alter, Art und Gesundheit ab; für viele Frauen unter 60 überwiegt der Nutzen.

Abschnitt 7: Kann ONDA in der Perimenopause helfen?

ONDA misst keine Hormone und behandelt keine Wechseljahresbeschwerden.

Mit einer Apple Watch liest ONDA Herzfrequenzvariabilität (HRV), Ruhepuls und Schlafdaten aus Apple Health. Nachtschweiß und schlechter Schlaf zeigen sich oft als schlechtere Schlaf- und Erholungssignale, daher können diese Trends helfen, Ihre Nächte einer Ärztin oder einem Arzt zu beschreiben. Die geführten Atemübungen von ONDA können helfen, zur Ruhe zu kommen, etwa wenn Sie nachts aufwachen – sie sind aber keine Behandlung von Hitzewallungen.


Abschnitt 8: Wann sollten Sie ärztlichen Rat suchen?

Suchen Sie ärztlichen Rat, wenn Wechseljahresbeschwerden Ihren Schlaf, Ihre Arbeit oder Ihre Beziehungen beeinträchtigen, wenn gedrückte Stimmung oder Angst länger als zwei Wochen anhalten oder wenn Sie hormonelle oder hormonfreie Behandlungen besprechen möchten.

Gehen Sie zeitnah zum Arzt, wenn Gedächtnisprobleme stetig zunehmen, anderen auffallen oder Sie sich an vertrauten Orten verirren – das ist für die Wechseljahre nicht typisch. Lassen Sie außerdem jede Blutung nach der Menopause sowie sehr starke oder unregelmäßige Blutungen in der Perimenopause abklären.

Wenn Sie Gedanken haben, sich selbst zu schaden, wenden Sie sich sofort an den Notruf oder eine Krisenhotline (in den USA per Anruf oder SMS an 988).

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HÄUFIGE FRAGEN

Ist Brain Fog in der Perimenopause real?

Ja, aber meist leicht und vorübergehend. In der SWAN-Studie zeigten Frauen während der Perimenopause nicht mehr die übliche Verbesserung bei wiederholten Gedächtnis- und Tempotests; nach der Menopause kehrte sie zurück. Schlechter Schlaf, Nachtschweiß und gedrückte Stimmung verstärken den Nebel.

Hilft Hormontherapie gegen Brain Fog?

Hormontherapie ist die wirksamste Behandlung gegen Hitzewallungen und Nachtschweiß, was Schlaf und Konzentration verbessern kann. Sie ist aber keine belegte Gedächtnisbehandlung: In der KEEPS-Studie hat sie das Denkvermögen weder verbessert noch verschlechtert, und sie sollte nicht zur Demenzvorbeugung eingesetzt werden.

Was hilft ohne Hormone gegen Hitzewallungen?

Gut belegte Optionen sind kognitive Verhaltenstherapie, klinische Hypnose, bestimmte Antidepressiva (SSRI und SNRI), Gabapentin und Fezolinetant. Nahrungsergänzungsmittel, getaktetes Atmen und Kühltricks werden nicht als Behandlung empfohlen, ein kühles Schlafzimmer kann aber den Komfort verbessern.

Wie lange dauern Hitzewallungen in den Wechseljahren?

In der SWAN-Studie dauerten Hitzewallungen und Nachtschweiß im Median 7,4 Jahre, länger, wenn sie früh in der Perimenopause begannen. Sprechen Sie mit einer Ärztin oder einem Arzt, wenn sie Ihren Schlaf oder Alltag beeinträchtigen.

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Quellen

  1. Woolley CS, McEwen BS (1992). Estradiol mediates fluctuation in hippocampal synapse density during the estrous cycle in the adult rat. The Journal of Neuroscience. doi:10.1523/JNEUROSCI.12-07-02549.1992
  2. Greendale GA et al. (2009). Effects of the menopause transition and hormone use on cognitive performance in midlife women. Neurology. doi:10.1212/WNL.0b013e3181a71193
  3. Mosconi L et al. (2021). Menopause impacts human brain structure, connectivity, energy metabolism, and amyloid-beta deposition. Scientific Reports. doi:10.1038/s41598-021-90084-y
  4. Freeman EW et al. (2006). Associations of Hormones and Menopausal Status With Depressed Mood in Women With No History of Depression. Archives of General Psychiatry. doi:10.1001/archpsyc.63.4.375
  5. Avis NE et al. (2015). Duration of Menopausal Vasomotor Symptoms Over the Menopause Transition. JAMA Internal Medicine. doi:10.1001/jamainternmed.2014.8063
  6. The North American Menopause Society (2022). The 2022 hormone therapy position statement of The North American Menopause Society. Menopause. doi:10.1097/GME.0000000000002028
  7. Gleason CE et al. (2015). Effects of Hormone Therapy on Cognition and Mood in Recently Postmenopausal Women: Findings from the Randomized, Controlled KEEPS-Cognitive and Affective Study. PLOS Medicine. doi:10.1371/journal.pmed.1001833
  8. Shumaker SA et al. (2003). Estrogen Plus Progestin and the Incidence of Dementia and Mild Cognitive Impairment in Postmenopausal Women. JAMA. doi:10.1001/jama.289.20.2651
  9. Collaborative Group on Hormonal Factors in Breast Cancer (2019). Type and timing of menopausal hormone therapy and breast cancer risk: individual participant meta-analysis of the worldwide epidemiological evidence. The Lancet. doi:10.1016/S0140-6736(19)31709-X
  10. The North American Menopause Society (2023). The 2023 nonhormone therapy position statement of The North American Menopause Society. Menopause. doi:10.1097/GME.0000000000002200
  11. Lederman S et al. (2023). Fezolinetant for treatment of moderate-to-severe vasomotor symptoms associated with menopause (SKYLIGHT 1): a phase 3 randomised controlled study. The Lancet. doi:10.1016/S0140-6736(23)00085-5
  12. Taku K et al. (2012). Extracted or synthesized soybean isoflavones reduce menopausal hot flash frequency and severity. Menopause. doi:10.1097/gme.0b013e3182410159
  13. Watson SL et al. (2017). High-Intensity Resistance and Impact Training Improves Bone Mineral Density and Physical Function in Postmenopausal Women With Osteopenia and Osteoporosis: The LIFTMOR Randomized Controlled Trial. Journal of Bone and Mineral Research. doi:10.1002/jbmr.3284